• Andrea Spiller

Mit Kindern zu arbeiten ist mein Ding!

Es ist kurz vor zwölf Uhr mittags. Alle Kinder des Montessori Kinderhauses St. Theresia toben und spielen auf ihrem einmalig großen Außengelände. Auf einer schattigen Bank unter einem Baum sitzt die PIA Praktikantin Viktoria Sowa und hat ein schlafendes Mädchen auf dem Schoß. „Das kommt schon mal vor. Die Tage sind für die Kinder anstrengend und wer weiß, vielleicht ist sie gestern Abend etwas spät ins Bett gekommen, weil sie noch mit der Familie Fußball geschaut hat!“ erzählt mir die 35-Jährige, die gerade das zweite Jahr der PIA Ausbildung hinter sich hat.

Auszubildende Erzieherin, Mach was mit Sinn und Zukunft. werde-erzieher-in.de
Viktoria, 35 Jahre, Auszubildende

Frau Sowa, wie kommt es, dass Sie mit 35 Jahren die PIA-Ausbildung zur Erzieherin machen?


Viktoria Sowa: Nach der Schule habe ich eine Ausbildung in der Finanzbranche gemacht. Damit war ich auch ein paar Jahre selbstständig. Irgendwann merkte ich, dass ich das zwar spannend finde, aber das nicht mein ganzes Leben machen möchte. Ich wollte mich neu orientieren. Geld brauchte ich natürlich trotzdem. So habe ich Nebenjobs gemacht, um Geld zu verdienen. Ich jobbte bei der Hausaufgabenbetreuung im Jugendhaus und ganz schnell war ich dann auch in der Offenen Jugendarbeit und bei den Düsselferien des Kinderclubs aktiv. Da wurde mir klar: Genau das will ich machen! Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten ist mein Ding!


Allerdings habe ich dann erst eigene Kinder bekommen. Daher habe ich noch weiter in der Jugendarbeit gearbeitet, immer für eine Aufwandsentschädigung. Als meine Kinder dann etwas größer waren, habe ich mich entschieden, Erzieherin zu werden und habe die PIA Ausbildung begonnen.


Was macht Ihnen an dem Beruf Spaß?

Viktoria Sowa: Ich hatte schon immer einen Draht zu Kindern. Sie sind so unbeschwert, gnadenlos ehrlich. Sie akzeptieren jeden, wie er ist; schrecken nicht vor Kindern zurück, die augenscheinlich anders sind, haben ein fröhliches Gemüt. Ach, sie sind einfach so offen und unvoreingenommen.

Wenn man da ansetzt und das fördert, dann habe ich die Hoffnung, dass die Welt ein Stück besser wird. Wenn hier der Grundstein gelegt wird und die Kinder lernen, dass Jeder etwas Besonderes ist, dann bleibt das auch irgendwo im Herzen und in den Gedanken. Es wäre toll, wenn ich dazu ein Stück beitragen könnte.


Das Montessori Kinderhaus St. Theresia ist eine inklusive Einrichtung. Hier gibt es einige Kinder mit Förderbedarf oder Behinderung. Hatten Sie selbst vor dem Praktikum Bedenken?

Viktoria Sowa: Ich habe im Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich damit noch nie zu tun hatte. Aber ich war neugierig und wollte die Erfahrung machen. Ich bin offen und habe keine Berührungsängste. Und nun finde ich es toll, mitzubekommen wie sich die Kinder mit und auch ohne Förderbedarf entwickeln.


Sie gehen zur Elly-Heuss-Knapp Schule. Ist Integration auch in der Schule ein Thema, das unterrichtet wird?

Viktoria Sowa: Bei uns gibt es in der Schule Vertiefungsbereiche, die man wählen kann. Da gibt es z.B. die Themen Offene Ganztagsschule, Mädchenarbeit, Jungenarbeit, Musik, Bewegung aber auch Inklusion. Da ich wusste, dass ich hier in dieser inklusiven Einrichtung arbeiten werde, habe ich mich ganz bewusst für das Thema Inklusion entschieden. Ich hatte jetzt ein Jahr lang Inklusionsunterricht, drei Stunden in der Woche. Aber das Thema Inklusion ist auch regulär Thema im Unterricht für Alle. Man kann das, was man in der Praxis erlebt in der Schule besprechen und das, was man in der Schule lernt, in der Praxisstelle umsetzen. Man lernt aber auch, wo was in den Gesetzestexten verankert ist. So kann man sich darauf berufen. Es wurden Referate gehalten, die auch auf die Einrichtungen bezogen waren. So bekommen wir auch was aus anderen Einrichtungen mit.


Erleben Sie die praxisintegrierte Ausbildung als anstrengend?

Viktoria Sowa: Ja, die PIA ist wirklich anstrengend. Ich hatte auch Phasen, wo ich dachte, ich kann nicht mehr. Als Mutter hatte ich ein schlechtes Gewissen, Bereiche zu vernachlässigen: entweder die Schule oder die Kinder. So kam ich nach Hause, habe meine privaten Aufgaben gemacht, mich um die Kinder gekümmert und habe mich dann abends nochmal hingesetzt. Es wird viel verlangt. Aber man erwartet ja auch eine Professionalisierung von uns, was ich auch richtig finde.

Wichtig ist es, es wirklich zu wollen. Und ich will es jetzt schaffen. So habe ich es mit familiärer Unterstützung doch bisher hinbekommen.

Eine Freundin mit drei Kindern hat während Corona einen Cut gemacht und die Ausbildung unterbrochen. Dies ist möglich. Man kann dann später an dem Punkt weitermachen, an dem man aufgehört hat. Die bisherige Ausbildungszeit ist nicht verloren.


Was würden Sie Schüler*innen sagen wollen, die in Betracht ziehen, Erzieher*in zu werden?

Viktoria Sowa: Macht mal ein Praktikum, egal ob OGS, Düsselferien oder Kita. Macht die Erfahrung, wie schön es ist, mit Kindern zu arbeiten. Jeder muss herausfinden, ob es einem liegt. Wenn man feststellt, dass man nur halbherzig dabei ist, ist es für denjenigen nicht das Richtige. Aber wenn man mit dem Herzen dabei ist, dann ist der Weg der Pia Ausbildung wirklich der Richtige, auch wenn es zwischendurch mal sehr anstrengend ist.

Wenn die Arbeit mit Kindern für jemanden das Richtige ist, dann stehtt man nicht jeden Morgen mit Bauchschmerzen auf, weil man zur Arbeit muss. Das finde ich wichtig. Deswegen habe ich die „Finanzgeschichte“ sein gelassen.

Außerdem ist es wichtig, offen zu sein. Jedes Kind ist anders, hat einen anderen Charakter. Und man hat die Chance als Erwachsener die Welt wieder anders wahrzunehmen. Dies ist für einen selber eine riesige Bereicherung.


Vielen Dank für das Interview und Ihnen alles Gute für die Zukunft!

 

Das Interview führte Sinnstifterin Stefanie Kaule mit Viktoria Sowa. Wenn Du Dich auch für den Erzieherberuf interessierst, melde Dich bei uns! Wir vermitteln auch Praktika!


Deine Sinnstifterinnen:

Andrea Spiller, andrea.spiller@werde-erzieher-in.de, 0151/180 49069

Stefanie Kaule, stefanie.kaule@werde-erzieher-in.de, 0160/924 24787

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